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Wenn das Alphabet zum Stolperstein wird

Wie neu geboren: das Leben eines Ex-Analphabeten

Zeitungen, Bücher, Warn- und Hinweisschilder, Emails, SMS, Formulare und Briefe – der größte Teil der Kommunikation, Unterhaltung, Wissensvermittlung und Information erfolgt über das geschriebene Wort. Als Analphabet blieben einem somit nicht nur viele Türen in der Arbeitswelt verschlossen, sondern auch die ganz alltäglichen Wege beim Einkaufen oder im Urlaub geraten nicht selten zu einer wahren Odyssee. Und so bewegen sich Analphabeten kaum aus ihrer gewohnten Umgebung heraus, verzichten freiwillig aufs Reisen, neue Bekanntschaften oder so selbstverständliche Dinge wie das Internet.

Wie groß der Verzicht in Wirklichkeit ist, merkt man dann, wenn man sich entschließt, seiner Leseschwäche bzw. seinem Analphabetismus ein Ende zu setzen. Innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten kann sich das Leben vollständig ändern: man findet sich selbst in einer fremden Großstadt zurecht, kann Speisekarten und Bedienungsanleitungen lesen, neue Kochrezept ausprobieren, sich im Internet per Email oder in verschiedenen Communitys verständigen und selbst etwas schreiben. Nicht jeder wird deshalb gleich zum Schriftsteller, doch viele genießen ihre neuen Möglichkeiten, indem sie viel am Computer schreiben. Unterstützt von Rechtschreibprogrammen geht das Schreiben hier leichter von der Hand und die Brother Druckerpatrone wird schneller leer als man vermutet hat. Ob Briefe, Bewerbungen, Berichte oder ganz einfache Notizen – endlich kann man seine Gedanken festhalten und ausdru(e)cken.

Plötzlich merkt man auch, dass man sich jede Menge Büroartikel zulegen muss: Kugelschreiber und Bleistifte, Notizblöcke und Papier – alles Dinge, die man vorher nicht benötigte und zu nutzen wusste. Und unter Umständen kann jetzt sogar ein Besuch beim Augenarzt oder Optiker notwendig werden, um durch eine geeignete Lesebrille noch besser lesen und schreiben zu können.

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